2012.05.06

Marie-France a besoin de pain

2012.05.06

Sie hatte gar keine demente Mutter, ihre Mutter ist anstatt dement zu werden rasch verstorben. Derjenige, der einer alten Frau gegenübersaß und im hellen Mondenscheine Worten lauschte, deren Sinn im Dunkeln lag – dieser Typ, iste homo, war ich. Der helle Mondenschein war wie gesagt die Straßlatern, oh Straßlatern, wie brennen deine Lichter. Ein Mensch, der nur von Grünzeug lebt, muß täglich ein Vielfaches seines Körpergewichtes zu sich nehmen, weswegen er tunlichst trachten wird, sein Körpergewicht zu minimieren, denn wer kann schon so viel essen?

Als B. und ich zusammenkamen, war ich dünn und hielt mich für zu dick, comme dans la plupart des familles francaises. In Frankreich hatte sie mein seidiges Haar gelobt, das ich mit Planschi wusch, weil mir »shampoing« partout nicht einfallen wollte. Die Werbemelodie von »Planschi ist prima, Planschi ist ne Wucht, mit Planschi macht das Baden Spaß« ist sehr traurig und ich habe mich immer gefragt, ob das nicht kontraproduktiv, wie man später sagte, gewesen ist. Daß dans la plupart des familles francaises Planschi im Badezimmer stand, erzeugt in mir das gleiche Gefühl wie die Werbemelodie. Ein Gefühl unendlicher Schönheit in Melancholie. Romy Schneider und Michel Piccoli. On peut être héros pour juste une journée.

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2012.05.06

Sneak Preview

2012.05.04

Was ich nicht wußte, war, daß sie mit ihrer dementen Mutter zusammenlebte. Aber eines Nachts, als ich aufwachte und sie nicht neben mir lag, stand ich auf und sah mich zum ersten Mal genauer um. Es war wie in manchen Filmen, wo in Ein-Personen-Haushalten ellenlange Kamerafahrten gedreht werden können und Durchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl ewig dauern, damit die Spannung Gelegenheit bekommt, sich aufzubauen. Dabei war die Wohnung nicht besonders groß, aber ich kannte nur das Wohnzimmer, in dem auch geschlafen wurde und wußte weder, wie die Küche aussah, noch was sich hinter der einen Tür verbarg, die ich jetzt öffnete, weil in Klo und Küche niemand war. Es war ein Schlafzimmer mit einem Schreibtisch mitten im Raum. Am Schreibtisch saß sie und hörte ihrer Mutter zu, die in voluminöse Daunendecken gehüllt gegenüber auf der Bettkannte ihres Krankenhausbettes saß und redete. Von draußen fiel das Licht einer Straßenlaterne herein, mein Eindringen wurde nicht zur Kenntnis genommen und so beäugte ich die Szenerie erst eine halbe Minute lang, bevor ich mich wieder davonstahl.

Mein Atelier habe ich aufgegeben, meine unverkauften Bilder leisten mir wie Saufkumpane Gesellschaft und ich komme mir vor wie ihre Mutter, die dementes Zeug redet, wie sie, die ihr zuhört und meine Bilder wie ich, wie ich mich wieder davonstehle.

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2012.05.04

Ob die Blum auch stirbt, wenn man sie bricht

2012.03.26

Gott. Gott, schon lange habe ich nicht mehr derartige Frühlingsgefühle verspürt. Bevor die Pflanze vergeht, treibt sie nochmal die schillerndsten Blüten, will mir scheinen. Deucht mich, bzw. dünkt mir Balina Flanze. Jloobste denn, det ick dir nich leiden kann, weil ick nich mit dir tanze? Im Fernsehen habe ich einen weinenden Mann gesehen und mir war, als würden alle immerzu weinen, meine Frühlingsgefühle schnappten über und ich habe geheult, geheult, geheult (Teekannenpose). Wenn ich heute mit knotigen Waden in meiner lächerlichen Trikotage in die Abendsonne statt zu reiten jogge, werde ich mich in Acht nehmen müssen, vor dem Knospen in den Hosen und dem Wasser in den Augen. Vor det Wassa in die Oogen, vastehste?

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2012.03.10

Schatz

2012.03.07

Ich saß im Parka auf einer Bank und starrte Löcher in die Fußgängerzone, als sie sich langsam neben mich schraubte. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, wieso sie sich zu einem wie mir auf die Bank setzte. Die attraktivsten blöden Arschlöcher zwei Klassen über mir waren ihr hinterhergestiegen, aber es kam mir damals durchaus plausibel vor, daß sie endlich gemerkt hatte, wie sehr ich sie stumm und heimlich verehrte und daß sie wohl echte und tiefempfundene Liebe wie die meine zu schätzen wußte, obwohl sie eigentlich nichts davon hatte wissen können. Manchmal denke ich auch heute noch, daß sie vielleicht ein Sinnesorgan mehr hat, mit dem sie über große Distanzen hinweg Botschaften empfängt. Wahrscheinlicher ist, daß sie schon damals verrückt war, was fast auf das gleiche hinausläuft. Und ich war verrückt nach ihr, verknallt wie man nur als Teenager sein kann, ich hätte ihr alles gegeben, wenn sie gefragt hätte. Ups, das habe ich schonmal geschrieben.

Sie fragte mich, was ich so mache und ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Das Schülerprojekt »Literarische Schülerzeitung« war versandet, weil es mir zuviel Arbeit gemacht hatte, den geplanten Comic zu zeichnen, damit konnte ich schlecht angeben, also sagte ich: »Ach, nichts besonderes.« Es kam mir unangemessen vor, ihr am hellichten Tag in der Fußgängerzone zu sagen: »Was ich mache? Ich liebe dich! Das mache ich!« An solche Worte muß man sich schließlich selbst erst gewöhnen, bevor man sie angemessen äußern kann. Wenn man sie dann irgendwann angemessen äußern kann, will man sie nicht mehr äußern. Angemessen sind solche Worte dann geäußert, wenn sie wie im Fernsehen klingen. Eines Tages wird man auch »Schatz« sagen können müssen, dämmerte es mir keineswegs.

Es ist in Ordnung, »Schatz« und »ich liebe dich« zu sagen, man sagt ja auch »Guten Morgen« und »Tschüs«.

Guten Morgen, Schatz, ich muß los, Tschüs, ich liebe dich.

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Skills

2012.02.23

Inspiring Ideas



Finest Typography



Perfect Circles


2012.02.19

2012.02.19

What sports is all about

2012.02.18

I like problems and I like people with problems, sometimes I like watching them solve their problems but generally I’m not as interested in solutions as in the persons and their problems themselves. I like watching the mind watching a problem and distracting itsself by imagining other problems. I love to carry myself away by thought like other people carry themselves away by diet or sports. I love to come from wood to stick as we say in Germany. Next time I am going to tell you guys what sports is all about.

2012.02.12

Im Winter hockte ich in der Dachkammer und wußte nicht ein noch aus. Unten waren sie mit irgendwas zugange. Irgendwer hatte irgendwelche Probleme, die verzweifelt diskutiert wurden, machmal wurde auch nur still gelitten. Man konnte immer runtergehen und nachsehen, ob es was zu essen gibt. So war es zuhause: es gab zu jedem Zeitpunkt Unmengen zu essen, manchmal stand es auf dem Tisch, vollkommen ohne mein Zutun. Verschwinden tat es mit meinem Zutun, was regelmäßig vorkam. Ich aß Unmengen. Ein Entkommen war nicht möglich. Erst als ich meinen ersten Sold bekam und eine eigene Wohnung bezog, hörte das weitgehend auf. Stattdessen habe ich ab diesem Zeitpunkt Unmengen geraucht und getrunken. Die Militärzeit eines Mannes erscheint ihm bisweilen wie die beste Zeit seines Lebens. L.s alter Vater hielt seine Zeit in Norwegen während des Zweiten Weltkriegs für die beste seines Lebens, wie er sagte. Ich weiß nicht, ob ich meine Militärzeit im Altersheim oder die Gegenwart am besten finden soll. Dazwischen war ich nicht ganz da, davor eigentlich auch nicht. Davor saß ich im Winter in der Dachkammer und sah mir auf dem Boden liegend durch das Velux-Fenster den Qualm aus dem Schornstein an, während sie unten zugange waren. Ich war bestrebt, den Dingen zu entkommen, indem ich an Verzichtsübungen scheiterte. Die wiederkehrende Bereitstellung von Lebensmitteln erschwerte das Levitationsexperiment erheblich. Ob ich ihnen eigentlich genauso befremdlich vorkam, wie sie mir? Ich wußte nicht wie gut ich es hatte und hätte froh und dankbar sein sollen. Niemand weiß, wie gut er es hat, rechtfertige ich meinen Undank. Hoffentlich war ich wenigstens niedlich. Sicher war ich niedlich als Kind, das muß reichen. Gegenwärtig bin froh und dankbar über die Heizung, das Essen, das Bett und die eleganten Kleidungsstücke, die genau auf mich zugeschnitten sind wie eine Rolle.

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War es also gemeint, mein gelbgerauchter Freund?

2012.01.27
geht noch

Zur Müllerin hin, so lautet der Sinn.

Von ferne, ganz von ferne

2012.01.26

Es gibt einen Aberglauben, daß an dieser Schwäche, dem Mangel an Energie, dem fehlenden Lebensmut, der grauen Neigung sich zu betrinken, jemand schuld ist. Jemand, der mich aus der Ferne haßt und mich verwünscht. Jemand, der mich hochleben läßt, wenn die Sonne scheint, jemand, der mich gern hat, wenn ich nüchtern bin und der Wind weht und die frische Luft mich glauben läßt, an diesem Tag ein anderer sein zu können.

Ich habe von B. geträumt anstelle von L. Wenn ich mich an irgendwas erinnern soll und das sollte ich, schießen die Zeiten zusammen. Kein Wunder, das wurde schon oft beobachtet. War es im Vorkrieg oder im Nachkrieg oder mittendrin? Gleich starke Erlebnisse werden zu einer einzigen Geschichte verquickt – frei über Zeiten und Orte hinweg. Alles in dem mal emsigen, mal trägen Quicksulver, der wir sind.

B. und L. war gemeinsam, daß ich ohne sie nicht leben konnte. Ich will ein andermal davon erzählen. Daß H. schon gestorben ist, hat mich aus dem Konzept gebracht. Morgen wird er beerdigt.

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2012.01.23

2012.01.22

Dangerous goods in limited quantities

2012.01.21

Ich weiß, das hab ich schonmal erzählt, vielleicht sogar besser, aber es hilft alles nichts, man muß immer wieder von vorne dadurch, bis diese Geschichte eines Tages zu Ende erzählt sein wird. Muß man?

– Halten wir fest: irgendwas dreht sich im Lager mit Schmiermitteln, eine zentrale Rolle spielt das männliche Glied, das herumrollt bei zuviel Spiel.
– Du drehst dich im Kreise und nur um dich selbst. Pass auf, daß deine rührende Geschichte nicht zu gequirlter Kacke wird.
– Es handelt sich um zwei Bewegungen: eine Eigenrotation und eine drumherum. Diese müssen streng geschieden werden. Die eine geht um mich selbst, die andere um den heißen Brei. Das ist die Scheide.

Alles dreht sich im Kopf, seit B. mit ihrer Zunge in meiner herumgerührt hat. Auf ellipitschen Bahnen in veränderlichen Winkeln. Wir hatten Händchen gehalten, bis wir allein waren und als sie mich küsste, verwandelte ich mich augenblicklich in ein Nürnberger Würstchen, nein zwei. Noch vor Wochen schien sie nichts von mir wissen zu wollen, was kein Wunder war, denn ich gab mir jede erdenkliche Mühe, meine Zungeigung vor ihr zu verbergen. Vielleicht tat sie ja desgleichen. Oder nein, in Wirklichkeit warf sie mit Zaunpfählen nach mir, aber ich gab mir jede erdenkliche Mühe, ihre Zuneigung vor mir zu verbergen. Und doch muß eine diesbezügliche Information zu mir durchgesickert sein. Irgendwas war nicht ganz dicht und so entzündete ich mich mit ihr am ganzen Körper und Geist.

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2012.01.21

Nur noch diesen einen Auftrag, ich schwöre, dann hör ich auf.

Liebe, Beruf, Gesundheit

2012.01.21

Ist es nicht ungerecht, den Männern schon wieder den Vortritt zu lassen? Aus dem Weg, hier kommen Männer in Mannschaftswagen mit Mannschaftssportarten und den Martial Arts. Männer mit Liebe zum Fahrzeug und schwerem Gerät. Knallharte Körperbauten, Kanonenfutter für den kommenden Krieg. Kanonenfutter und Sexbomben, Knallköppe und Knallkörper. Männer als Haufen. It’s raining men, hallelujah, aber in der Regel sind es nicht grade die Chippendales, die dich alles andere als softly killen.

Vereinzelte Männer sind rührend dagegen. Die einen greifen verstohlen, die anderen unverholen immer mal wieder nach ihrem Glied, um sich seiner Existenz zu versichern, so verschwindend gering sie auch ist. Wo war doch gleich der Pillemann? Ach da! Immernoch dran. Ein schwerreicher Alter wie Berlusconi läßt sich straffen und die Haare verpflanzen, um sich gut vorzukommen und seinen hoffentlich gutbezahlten Frauen zu gefallen. Wie sie sich abmühn und pumpen und strampeln, um gut dazustehen, um gestählt in den Clinch zu gehen und sich zu schlagen für eine Frau oder etwa nur, damit die anderen nicht merken, wie weich bisweilen das Herz in der Hose wird?

Ob als Bediensteter eines vereinzelten Mannes oder als Auftragnehmer eines Konzerns, ich kann nicht verhehlen, daß ich die Leute, mit denen ich es zu tun bekam, meistens gemocht habe. Abgesehen von Sigmund Ihlau vielleicht, aber selbst den hatte ich in seiner Hilflosigkeit und Nervosität bei jeder zu erledigenden Aufgabe (Papier lochen, abheften, Ordner beschriften) zunächst ja ganz gern. Das war ein Irrtum. Um eine Lehre gebeten, würde ich sagen: Hilf keinem! Schon gar keinem Ihlau. Aber diese Lektion mußte ich selbst erst noch lernen. Ich schlug mich also, pumpte und strampelte mich ab, aber gut dastand ich nie.

Alle schienen sich abzustrampeln, selbst Inhaber, Unternehmer, Manager – nicht nur die Ihlaus und ich. Heute denke ich, daß sie durch ihr Gestrampel allesamt eher Sand als Öl im Getriebe waren. Es waren wohl auch keine besonders begabten Unternehmer. Aber kommt es darauf an, wenn man – ob Sand, ob Öl – in jedem Fall am End verschlissen ist? Vom Standpunkt des Getriebes her schon. Das möchte schwimmen in Fett. Flutschen soll alles und gleiten im Wälzlager geschmiert mit Graphit, dann ist der Verschleiß nicht so hoch. Die Ölmühle hat ein selbstschmierendes Getriebe, die Knochenmühle nicht. Beim Abstrampeln reibt der Kopf in der Gelenkpfanne, bis er schön durchgebraten ist. Im Wälzlager mit L. molybdänbedeckt hab ich mich dafür entschädigt.

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