2010.03.09
Aber hier ist es frisch, es riecht nach Wasser und Glück!
2010.03.09
Die Hamburger in der Pfanne begrüßten einander fröhlich mit dem Gruß der Hamburger und spieen muntere Fettfontainen. Zum ersten Mal sah ich die ganzen Spritzer an der Wand, den Knas von 50 Jahren auf dem Herd, an den Schränken - überall! Ich meinerseits spie in die Hände und so machte ich mich unmittelbar nach der Mahzeit daran, alles hinauszuwerfen, Hinaus!
Wenn ich einmal Chef bin und Verantwortung trage, werde ich meinen Diener, der immer um mich herumscharwenzelt – “Sehr wohl, Herr Direktor” hier “toute de suite, Herr Direktor” da – den werde ich dann immer mit genau diesem Worte fortjagen: “Hinaus!”. Dann würde eine schöne Ruhe entstehen, in der ich mir ein bißchen in der Nase bohren kann, in welch letzterer (aber auch in ersterer) erstaunlich lange Haare wachsen. Die Ruhe währte aber nur so lange bis er eigentlich unmittelbar nach seinem Hinauswurf wieder zaghaft die grünledern gepolsterte Tür einen Spaltbreit öffnete und schon im Begriffe wäre, wieder einzutreten, woraufhin ich ihm meinen Füllfederhalter entgegenschleuderte, was ihn aber nur für eine juristische Sekunde von seinem erneuten Eindringen abhielte.
Ich warf also alles aus meiner Küche wie einen Diener. Das knasige Gerümpel und Gedöns gelangte jedoch nicht weiter als bis in den Flur, wo es sich seither aufhält, immer bereit, in einem unkonzentrierten Moment wieder hineinzuschlüpfen, um mich bei meinen Renovierungstätigkeiten, die wie mit erzener Notwendigkeit auf meine Frühjahrsputztätigkeiten folgen mußten, zu behindern. Als wäre der riesige leere Kühlschrank, den hinauszuwerfen ich nicht übers Herz gebracht hatte, nicht schon genug der Erschwernis. Der riesige leere Kühlschrank stand so gutmütig nutzlos da, daß ich es nicht einmal übers Herz gebracht hatte, ihm den Stecker herauszuziehen, obwohl er mir mit seiner kurzen Leitung überall im Wege steht. Allerdings ließ ich es mir nicht nehmen, eine Steckdose, die am knasigen Hängeschrank befestigt war, zu demontieren und nur die pure Zuleitung aus der Wand ragen zu lassen. Ein Glück, daß ich Rechtshänder bin, sonst hätte ich mir meine wertvolle Malerhand bereits zweimal an dieser puren Zuleitung elektrisiert. Mal sehen, wie es morgen mit dem Klavierspiel klappt, wenn der Krampf nachgelassen hat. Ein Isolieren der blanken Drahtenden kam für mich nie in Betracht, das wäre mir wie eine feige Vermeidungshaltung vorgekommen. Sollte mich doch der Schlag treffen, wer wünscht sich nicht, in Ausübung seines Berufes und Erüllung seines Amtes zu verbleichen? Ich malte also wie ein Berserker, besser als Picasso malte ich in meiner bald wie neuen Küche herum, als es klingelte und ich Besuch bekam. Entschuldigend verwies ich auf das Offensichtliche: Hier wird grade renoviert.
“Achso, das wird noch renoviert!”
“Nein, das hier ist eigentlich fertig.”
2010.03.03
überraschend gelacht vor Freude, jetzt wird doch noch alles gut
2010.02.28
2010.02.28
Man könnte Vogelstimmen aufnehmen. Ich habe ein Mikrophon und zwar nicht eins von denen, die überall eingebaut sind. Man könnte auch “Aufnahmen” von Vögeln machen, aber mein Fotoapparat hat nur Weitwinkel, sein technisches Innenleben ähnelt demjenigen derjenigen, die überall eingebaut sind. Die Aufnahmen wären entweder Tonband- oder fotographische, man könnte auch beides in einem, aber da wäre natürlich die Qualität der Tonbandaufnahme nicht so gut. Wir sind hier in Deutschland, bitte haben Sie Verständnis dafür, daß hier deutsch gesprochen wird: in meinem Händi sind ein mikroskopisch kleines Tonbandgerät und eine Filmkamera enthalten, in einer erstaunlichen Qualität, ich möchte nicht wissen, wo sie noch überall Kameras und Mikrophone eingebaut haben. Wahrscheinlich brauchen sie aber gar keine mehr, sondern simulieren aus den Veränderungen des elekromagnetischen Feldes im Weltraum ein getreues Abbild aller Lebensvorgänge auf diesem Planeten zusammen, so getreu, wie es das menschliche Auge und das menschliche Ohr niemals aufnehmen geschweige denn abbilden könnten und dann denken sie sich ihren Teil, wie: lassen wir sie in diesem minderschweren Fall davonkommen, es verlohnt der Mühe nicht, den dementsprechenden Papierkrieg auszufechten. Natürlich handelt es sich nicht mehr um Tonbandaufnahmen, Unterschriften sind auch nicht erforderlich. Aber eine Sicherungskopie über Papierschnittstelle sollte dennoch erstellt werden. Eine elektromagnetische Welle schwappt ans Ufer meiner Aufnahmegeräte, wo sie ein Körnchen Silber färbt und erzielt ein Wackeln im Kartong, so gut ist das Mirkophon. Man hört so gut wie nichts.
2010.02.28
2010.02.28
Das Reinigungsprodukt für Terrazzoböden wie sie in Sanitärbereich und Küche in den Fünfzigerjahern des vergangenen Jahrhunderts üblich waren, ist ein besonders kräftiges, da auf dem Boden in meinem Sanitärbereich und in meiner Küche seit den Fünfzigern, vor allem aber in den Jahren, da ich dort wohne, recht viel Schmutz entstanden ist wie durch Zauberhand. Ich hätte gern das kräftigste Reinigungsprodukt, das sie haben, hörte ich mich noch sagen, als ich zuhause das Etikett las, das kraftvolle Reinigung durch einen besonders hohen Ammoniakanteil verspricht. Gut gekauft! Ich verteilte großzügig Ammoniakreiniger auf dem Terrazzo und konstatierte eine gewisse Bleichwirkung auf den Schmutz und mich selbst. Es stinkt nämlich mit seinem besonders hohen Ammonikanteil wie ein öffentliches Pissor im Sommer. In der Küche kann ich mich fortan nur noch für Sekundenbruchteile aufhalten, das unterstützt meine Bodyshapingaktivitäten und macht das Abnehmen leichter. So ich bin in die Lage versetzt, doch noch bis zu den großen Ferien eine Strandfigur zu bekommen, wenn nicht sogar zu werden. Ich freu mich schon auf den ganzen Geschlechtsverkehr! Bis es soweit ist, habe ich Maßnahmen ergriffen. Venezianisches Terpentin – der Fachmann sagt natürlich nicht venezianisches sondern venezianischer, der alte Fachchinese – enthält das Harz des Lärchenbaumes, ist von honigartiger Konsistenz und riecht nach Latschenkieferbadezusatz hoch 2. Um den Ammoniakgeruch zu übertünchen, habe ich überall in der Wohnung venzianischen Lärchenterpentin verkleckert, dann reinigte ich die Anti-Rutschmatten und entfernte den Kalkstein mit entsprechenden Substanzen. Ammoniak, Latschenkiefer, Gummi und Essig, jetzt habe ich Kopfweh, ein Elend, aber man kann ja nicht ewig leben, ist doch nicht schlimm, es riecht hier jedenfalls in der Summe dann doch ganz angenehm nach Sterbehospiz.
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